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Diese geht über VIDES Jugendvolontariat, den Verein, über den ich damals im Kongo war und bei dem ich weiterhin im Vorstand aktiv bin. Es ist möglich, eine Spendenquittung zu erhalten.

Begegnungen in Kasenga

Schon unsere Ankunft in Kasenga war ein Moment, in dem wir von der erneuten Herzlichkeit und Freude der Menschen völlig gerührt waren: 80 Bakashana (junge Frauen) und deren Lehrer*innen warteten singend und umringten uns. Besonders für mich war es wieder ein Gefühl von nach Hause kommen. Über das ganze Gesicht strahlend lief ich über das Gelände der Schwestern und der Schule und begrüßte alle mir bekannten Freund*innen und Menschen, die im engen Umfeld leben und arbeiten. Es war eine große gegenseitige Freude!

Auf der einen Seite haben wir in unserer Zeit in Kasenga wieder gespürt, wie nah uns viele Menschen durch die vielen, sich wiederholenden Begegnungen sind. Und auf der anderen Seite ist es auch für diese Menschen etwas sehr Besonderes, zu sehen, dass wir es mit ihnen „ernst“ meinen und sie so schätzen und die Zeit dort genießen, dass wir trotz aller Möglichkeiten, die wir „Menschen aus dem Westen“ haben, immer wieder zu ihnen „zurück kehren“: Weil nämlich die Beziehungen, die sich für uns nach und nach aufgebaut haben und weiter ausbauen das Besondere an unseren Reisen in den Kongo sind. Und das schafft gegenseitiges Vertrauen und diese besondere Herzlichkeit, die die generelle Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Kongolesen nochmal auf eine persönliche Art und Weise übersteigt.

Ganz besonders eindrucksvoll war es für uns dieses Mal, die jungen Frauen im Bakashana-Projekt zu erleben: Die jungen Frauen sind zwischen 16 und 20 Jahre alt und aufgrund von finanziellen Problemen und/oder frühen Schwangerschaften aus dem Regelschulsystem „heraus gefallen“. Im Bakashana-Projekt, das über 3 Jahre geht und an keine Altersklassen gebunden ist, lernen die jungen Frauen in 3 verschiedenen Klassen. Im ersten Jahr besuchen sie einen Alphabetisierungskurs, im zweiten Jahr lernen sie Stricken, Haus- und Landwirtschaftliches und im dritten Jahr Nähen. Am  Ende erhalten sie eine Nähmaschine. Da die jungen Frauen keine finanziellen Mittel haben, basiert das Projekt auf dem System „Lernen und arbeiten“, so dass die jungen Frauen als „Gegenleistung“ im Farmprojekt in der Landwirtschaft und Viehzucht mithelfen und gleichzeitig dort neue Methoden erlernen.

Inzwischen sind 80 junge Frauen in dem Projekt eingeschrieben und es musste aufgrund so hoher Nachfrage ein Aufnahmestopp ausgesprochen werden. Und diese Motivation und große Freude am Lernen haben wir dieses Mal hautnah miterleben dürfen. Es hat uns sehr beeindruckt, wie begeistert und enthusiastisch sowohl die jungen Frauen als auch ihre Lehrer*innen „bei der Sache sind“. Das ist so schön zu sehen, wie sie darin aufgehen, endlich als Frauen auch am System „Bildung“ teilnehmen zu dürfen und so etwas für ihre persönliche Entwicklung tun zukönnen. Es gibt ihnen einfach einen großen Teil an Selbstachtung und Respekt, den sie sonst oft in den Familien und in ihrem Umfeld nicht erleben, da sie hauptsächlich und meistens für alle anderen da sein müssen. Sie selbst kommen somit schon als junge Mädchen oft zu kurz. Wir kennen das aus früheren Generationen in unserem Dunstkreis…

Auf eine intensive Art haben wir uns auch wieder mit dem Thema der vielen Kinder aus der Nachbarschaft von Morano auseinander gesetzt: Einerseits ist es so einfach, sich mit ihnen und sie zu beschäftigen: Mit 6 Tennisbällen sind 30 Kinder mit großem Spaß einen ganzen Nachmittag beschäftigt und ausgelastet. Für mich sind das mit die ruhigsten Momente der ganzen Reise. Einfach da zu sitzen, den Kindern beim Spielen zu zu schauen, ab und zu bei Streit meist mit wenigen Worten – da viele nur die Stammessprache Bemba verstehen – zu intervenieren und mich mit den kleineren Kindern am Rande des Spielfelds zu beschäftigen, reicht eigentlich schon aus.

Und gleichzeitig, vor allem außerhalb der Begegnungen an sich, kommen viele Gedanken und Zweifel, wie mit dieser überall spürbaren Armut umzugehen. Der Großteil der Kinder hat eigene Eltern. Und trotzdem sind jeden Nachmittag ganze Scharen an Kindern auf dem Gelände der Schwestern und haben keine Beschäftigung. Meist sind die Kinder leider ab dem Alter, in dem sie anfangen zu laufen, zusammen mit ihren Geschwistern auf sich gestellt. Die Eltern sind mit ihren kleinen Arbeiten in der Landwirtschaft oder anderen Dingen beschäftigt, um an etwas Geld und Nahrung zu kommen. Die als Baby noch überbehüteten Kinder müssen oft schauen, wo sie bleiben. In unserer westlichen Welt kaum vorstellbar. Und gleichzeitig sind Kinder dort das größte und zentralste Symbol für Reichtum überhaupt. Ein echtes Paradoxon…

Gleichzeitig ist eindeutig zu merken, dass auch hier vieles mit Bildung und Entwicklung zu tun hat. Gebildetere Familien, die sich in Richtung Stadt und Ausland orientieren, bekommen meist nur noch 2 bis 4 Kinder. So ist z.B. auch im Bakashana-Projekt ein Ziel, dass die jungen Frauen die 3 Jahre beenden, ohne vorher schwanger zu werden, was zu unserer großen Freude in den meisten Fällen klappt. Durch die Möglichkeit, Neues zu lernen und sich vor allem auch sozial zu vernetzen, haben die jungen Frauen neue Ideen und Ziele, und sie beginnen die einseitigen Vorstellungen und Erwartungen ihrer Familien und ihres Umfelds zu durchbrechen.

Manchmal haben wir das Gefühl, dass Entwicklung und Fortschritt im Projekt oft sehr schnell und stark sichtbar werden, obwohl die staatlichen und infrastrukturellen Bedingungen so schwierig und wenig förderlich sind. Dafür ist sicher der gegenseitige Austausch sehr unterstützend.

Dies alles zu erleben, hat uns sehr erfüllt und wir sind sehr dankbar für diese intensive Zeit!

Gedanken und Aktuelles zum Thema Bildung in der Demokratischen Republik Kongo mit Beispielen aus dem Projekt Morano in Kasenga

Bildung ist ein Menschenrecht. Und zwar eins der grundlegendsten Menschenrechte und damit der Schlüssel zu vielen weiteren Menschenrechten.

Auch bei unserer Reise im September/Oktober diesen Jahres haben wir die Erfahrung in der DR Kongo die Erfahrung gemacht, wie zentral und hochaktuell die Debatten und vor allem die Umsetzung dieses grundlegenden Menschrechts sind.

In Kasenga im Projekt Morano der Don Bosco Schwestern gibt es zunächst verschiedene Schulen, die zum Regelschulsystem gehören: Der Kindergarten für die Kinder von 3 bis 6 Jahren bereitet diese auf die Grundschule vor, indem dort schon Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben erlernt werden. Der Kindergarten der Don Bosco Schwestern ist als einzige Einrichtung in Morano eine private Einrichtung, d.h. abgekoppelt vom Staat. Die Erzieherinnen werden somit rein durch die Schulgelder finanziert, die die Eltern zahlen. Im Kindergarten sind vor allem Kinder aus Haushalten, die dieses Geld übrig haben, um die Kinder in den Kindergarten zu schicken. Die Erzieherinnen verdienen im Monat 80-100$, was für sie verhältnismäßig viel ist.

In der Grundschule sieht es ganz anders aus: Diese staatliche Schule wird vom Staat „kontrolliert“, was zu der absurden Tatsache führt, dass von dem Geld, das die Eltern zahle (ca. 5$ im Monat) noch Geld abgezweigt wird und an die Schulinspektoren geht. Vom Staat kommt allerdings kein Cent. Für unsere deutsche Denkweise kaum zu verstehen bzw. einfach sehr absurd. Die LehrerInnen verdienen im Monat 30-50$, was ihre Arbeit zu einer Art Volontariat macht. Man stelle sich vor, ein Lehrer habe 6 Kinder, die er alle in die Schule schickt, dann bleibt von seinem Gehalt quasi nichts mehr übrig. Ein oder zwei weitere Jobs sind nötig, um die Familie irgendwie über Wasser zu halten. Und was natürlich auch leidet, ist die Motivation.

Die Grundschule teilt sich mit der weiterführenden Schule die Klassenräume. Für uns auch kaum vorstellbar, wo es oft selbst ein großes Problem ist, wenn die Oberstufe eines Gymnasiums nicht getrennt untergebracht werden kann. In Kasenga dagegen gehen die Grundschüler vormittags und die Schüler der weiterführenden Schule nachmittags zur Schule, was bedeutet, dass nachmittags in brüllender Hitze gelernt werden muss. Was genau ist nochmal die Reaktion der Deutschen, wenn ab und zu die Klimaanlage in einem Zug der Deutschen Bahn ausfällt?

Wie man sich vorstellen kann, fallen viele der Kinder und Jugendlichen aus diesem Regelschulsystem heraus: Der Hauptgrund ist das mangelnde Geld, um die Schulgelder zu bezahlen. Aber auch frühe Schwangerschaften und der Fakt, dass die Kinder und Jugendlichen zu Hause bzw. auf dem Feld zum Helfen gebraucht werden, führt dazu, dass eine Regelschule nicht besucht werden kann. Weiterhin kann man sich vorstellen, dass das erste Interesse von Eltern, die jeden Tag neu schauen müssen, wie sie alle ihre Kinder satt bekommen, nicht Bildung in Form einer zu bezahlenden Regelschule ist.

Die Don Bosco Schwestern in Kasenga haben sich deshalb schon viele Projekte überlegt, die an diesem Punkt angreifen. Zunächst gibt es nachmittags Angebote, um die vielen Kinder zu beschäftigen, die nachmittags auf dem Gelände ihre Zeit verbringen. Sie haben nichts zu tun und zu Hause keinerlei Spielzeug o.ä, um ihre Zeit auszufüllen. Neben Spielangeboten geht es dabei vor allem auch um kleine Botschaften, die vor allem auf die soziale und praktische Bildung sowie Gesundheit und Hygiene abzielen. So kamen die Kinder z.B. am zweiten Tag sauber und gewaschen, weil eine Schwester ihnen Grundkenntnisse über Hygiene und eigene Pflege ans Herz gelegt hatte. Sie waren sehr stolz, dies verstanden und umgesetzt zu haben.

Weiterhin haben die Don Bosco Schwester das Prinzip „Arbeiten und Lernen“ eingeführt. Die jungen Männer und Frauen helfen auf dem Grundstück der Schwestern, z.B. im Farmprojekt, und bekommen dafür Kurse in Informatik, Alphabetisierung und Nähen, für die sie kein Geld zahlen müssen. Dabei steht auch das soziale Lernen sehr im Vordergrund, sodass nach einer Weile starke Gemeinschaften entstanden sind.

Anfang diesen Jahres wurde in der DR Kongo unter umstrittenen Umständen ein neuer Präsident gewählt: Félix Tshisekedi. Die Bevölkerung steckte verständlicherweise eine große Hoffnung in ihn und den Wandel, den er bringen wollte. So proklamierte er in den Sommerferien, dass ab dem Schuljahr 2019/20, das im Kongo Anfang September beginnt, die Grundschulen und die erste Klasse der weiterführenden Schule kostenlos sein würde. Angaben zur Durchführung und Umsetzung sowie zu genauen Lohnzahlungen für die LehrerInnen wurden nicht gemacht. Als Anfang September die Schule begann, strömten die Kinder in die Schulen, sodass im Projekt Morano statt 600 dieses Schuljahr 800 Grundschüler anfingen. Auch die weiterführende Schule ist dadurch stark gewachsen. Dies zeigt den starken Bedarf und die Motivation der Eltern, ihre Kinder in die Schulen zu schicken. Geldmangel scheint somit wirklich eins der zentralen Themen in der Bildung in der DR Kongo zu sein.

Jetzt haben wir Ende Oktober. Bis jetzt ist kein einziger Cent an die Schulen geflossen. Es gibt keine Zusagen, keine Informationen, nichts. Und die LehrerInnen arbeiten weiter. Als gratis-Kräfte oder VolontärInnen, wie man es auch immer nennen mag.

Wie muss sich das anfühlen als eine/r dieser LehrerInnen in Kasenga: nach der ganzen Hoffnung auf eine möglichst bessere Bezahlung. Wie soll unter solchen Umständen die Lehr- und Lernmotivation aufrecht gehalten werden? Wenn jetzt nicht mal der kleine Lohn sicher ist? Und vor allem, wie muss es sich anfühlen, die Politiker seines eigenen Landes im Fernsehen zu sehen, Klamotten tragend, die kein Kongolese trägt, den man selbst kennt, und den Kopf zusammen steckend, ohne irgendetwas ihres Reichtums an die Bevölkerung abzugeben? Gibt es für dieses Gefühl, diese Enttäuschung und Wut, irgendeine Gerechtigkeit, irgendeine Erklärung, irgendetwas, das man verstehen kann?

Präsentation Schwerpunkt Bildung

Entwicklungen in den Projekten und in Kasenga allgemein

Die Entwicklungen in den Projekten der Don Bosco Schwestern in Kasenga haben uns sehr beeindruckt: Seit unserem letzten Besuch vor 2 Jahren hat sich vor allem äußerlich sichtbar sehr viel verändert:

Auf dem Satellitenbild sieht man alle neuen Gebäude und Bewirtschaftungen: Vor 5 Jahren als ich nach Freiwillige nach Kasenga kam, existierte nur das Karré, wo die Schwestern leben und die Schulgebäude, die es umgeben. Alles andere wie die Mauer, die Gebäude weiter außen und das Farmprojekt sind seitdem entstanden.

Das Farmprojekt ist weiterhin riesig gewachsen, im Vergleich zu vor 2 Jahren wird nun das Doppelte an Fläche bewirtschaftet und für die restliche freie Fläche hat die zuständige Schwester schon weitere Ideen, was sie dort anbauen möchte. Auch der Hühnerstall wird genutzt, vor allem Hühner werden gezüchtet und die Eier verwendet. Die Anzahl war bei unserem Besuch allerdings noch relativ gering, aber in der wärmeren Regenzeit sollen es mehr werden, da es in der Trockenzeit zu kalt sei.

 

Besonders beeindruckend waren die vielen neu entstandenen Gebäude auf dem Gelände der Schwestern, die in den letzten 2 Jahren fertig gestellt wurden:

In nur einem Jahr wurde ein großer Saal für die Schule und Freizeitveranstaltungen errichtet. Er ist wirklich riesig und sehr gut und durchdacht ausgestattet mit Umkleide, Vorraum, riesiger Bühne, Technikraum und vielen Stühlen und Bänken für die Zuschauer*innen. Außerdem wurden einige Schmuckstücke und Highlights im Saal eingebaut, die die Beleuchtung und Atmosphäre des Saals ausmachen. Leider muss das Dach wegen schlechter Arbeit nochmals repariert werden, bevor der Saal weiter genutzt werden kann. Der dafür zuständige Bauherr hat sich leider aus dem Staub gemacht, sodass die italienische Schwester ihre Bekannten aus Italien um Spendenhilfe gebeten hat.

An den Saal grenzt der neue Informatiksaal an, der aus einem Vorraum mit 3 Arbeitsplätzen und „Empfangsschreibtisch“ sowie einem großen Saal mit 20 Arbeitsplätzen besteht. Die Möbel wurden alle durch Eure Spenden finanziert, worüber die Lernenden sehr glücklich sind. Der Informatiksaal wird für Leute „von außen“ zur Verfügung stehen, die dort arbeiten und unter Anleitung der Verantwortlichen Neues dazu lernen können. Leider haben wir trotz langer Diskussion nicht durchsetzen können, dass der Saal zeitlich getrennt sowohl für den Schulunterricht als auch für Externe genutzt wird. Die Angst dahinter ist immer, dass bei Schäden die Verantwortlichkeit trotz klarer Trennung nicht nachvollziehbar ist etc.

Wir haben während unserer Zeit zwei motivierten Gruppen externer Informatikschülern kennen gelernt und mit ihnen gearbeitet: Die fortgeschrittene Gruppe arbeitet schon sehr selbstständig und zwei Teilnehmer besitzen schon ihren eigenen Laptop. Sie unterstützen außerdem die andere Gruppe, die aus Anfängern besteht.

Weiterhin ist auf dem Gelände der Schwestern eine kleine Bäckerei entstanden:

Dort arbeiten zwei junge Männer, die alle Tätigkeiten mit der Hand durchführen und das Brot an die Schüler*innen und die Schwesterngemeinschaft verkaufen, um sich etwas dazu zu verdienen. Großes Geld können sie mit der kleinen Bäckerei aufgrund der Bedingungen nicht machen. Aber das Konzept der Schwestern besteht darin, die jungen Leute mit kleinen Arbeiten zu beschäftigen, die sie finanziell ein wenig unterstützen.

Im Hintergrund die Bäckerei.

Auch ein Friseursalon wurde gebaut – und zwar taktisch geschickt an der Außenseite des Geländes, so dass die Leute vom Dorf angeworben werden. Hier wie auch im neu entstandenen Kiosk arbeiten je 2 junge Frauen und 2 junge Männer. Im Kiosk werden Schulsachen, Snacks und Telefonkarten verkauft.

Parallel zu diesen vielen tollen Entwicklungen hat sich auch die Schwesterngemeinschaft sehr verändert. Da die Schwestern meist alle 1 bis 2 Jahre die Gemeinschaft wechseln, ist die italienische Schwester Gio die einzige Schwester verbliebene aus der Gemeinschaft während meines Freiwilligenjahres. Leider spürt man diese vielen Wechsel auch in der Eingespieltheit und Atmosphäre der Gemeinschaft: Wir hatten das Gefühl, dass sich die seit September neu entstandene jetzige Gemeinschaft erst noch finden muss. Schwester Gio ist weiterhin trotz ihres Alters (67) sehr aktiv und bringt weiterhin neue Ideen und Projekte auf den Weg. Die jungen Schwestern tun sich oft noch schwer, ihre vielen Aufgaben zu kombinieren und darüber hinaus zu schauen und die seit einem Jahr neue Oberin sucht auch noch ihren Weg. Denn aufgrund der politischen Lage wird das Führen einer solch großen Gemeinschaft und Schule immer komplexer, schwieriger und finanziell kaum stemmbar.

Deshalb haben wir nach mehrfachem Bitten und vielen Berichten über die Situation der Schule der Don Bosco Schwestern in Kasenga – die nur ein Beispiel für die Lage vieler Schulen ist –  beschlossen, die aus Deutschland mitgebrachten Spendengelder der Oberin zu geben. Sie wird diese einsetzen, um den Lehrer*innen des Gymnasiums die Gehälter aufzustocken. Dies ist dringend nötig, da sie aufgrund fehlender Bezahlung des Staates meist kaum mehr als 30 $ pro Monat verdienen. Ein Betrag, der einfach unvorstellbar ist. Obwohl wir inzwischen viel Einblick in die Lebensweise der Menschen in Kasenga erhalten haben, ist es schier unmöglich, zu verstehen, wie die Lehrer*innen bei solch einer Bezahlung ihre Familien ernähren: Es geht nur sehr knapp und hat zur Folge, dass die meisten Lehrer 2 oder 3 Jobs haben und zudem noch Feldwirtschaft betreiben. Die übrig bleibende Kraft und Motivation reicht dann natürlich nicht aus, um einen qualitativ hochwertigen Unterricht zu betreiben. Das ist der Grund, wieso wir uns für diese Unterstützung entschieden haben: Denn was nützt es, weiter neue Projekte anzustoßen, wenn die bestehenden in Existenznöte kommen und immer weniger Schüler*innen das Abitur schaffen bzw. überhaupt die Schule besuchen.

In der Bevölkerung von Kasenga haben wir wenig Veränderung wahr nehmen können: Teilweise haben wir von Menschen gehört, die leider in noch größeres Elend gefallen sind. Viele andere leiden unter der politischen Krise, die eine starke Inflation mit sich gebracht hat, wobei ihr Leben irgendwie dann doch „immer so weiter geht“. Einzelne neue Häuser haben wir gesehen: Langsam, aber dennoch stetig versuchen die Menschen, ihr weniges Geld, das sie zur Seite legen können, in den Bau größerer, stabilerer, „luxuriöserer“ Häuser zu stecken – oft ein jahrelanger Prozess.

Eine sehr positive Entwicklung haben wir bezogen auf zwei junge Männer gesehen, die von Schwester Gio initiiert und von einer in Belgien lebenden Kongolesin finanziert, an der Uni von Kasenga studieren: Sie haben sehr gute Noten, sind super motiviert bei der Sache und einer der beiden hat eine Stelle als Assistent an der Uni angeboten bekommen. Ihm haben wir gegen Bezahlung zudem einen Laptop mitgebracht, über den er sowie sein Vater unendlich dankbar sind, da es ihn sehr in seiner Klausurvorbereitung und Weiterentwicklung unterstützen wird, wie er uns erklärt hat. Solche Erlebnisse und vor allem die unglaublich offen und herzlich ausgedrückte Dankbarkeit sind große Hoffnungsschimmer und zeigen, wie sehr viele junge Kongolesen und Kongolesinnen danach streben, sich weiter zu entwickeln und etwas aus ihrem Leben zu machen – in einem Land, in dem Entwicklung und Aufstreben von der Regierung fast unmöglich gemacht und in keinster Weise unterstützt werden.

Bei einem Besuch im Krankenhaus haben wir auch erlebt, wie sich dieser leider schon jahrelange Zustand des Landes auch in der Gesundheitsversorgung widerspiegelt: Die aus der Kolonialzeit stammenden Gebäude wirken so, als sei seitdem kein Farbeimer mehr in die Hand genommen worden. Die Geräte sind alt und kaputt oder neu und unbenutzt, da Teile fehlen. Und trotzdem haben wir das Krankenhaus als sehr lebendigen und regen Betrieb wahr genommen, was einzig und allein an den Personen liegt, die das Krankenhaus in Betrieb halten: engagierte, aktive Ärzte und Krankenschwestern bzw. Pfleger. Sie behandeln alles, wirklich alles und das mit sehr beschränkten Mitteln. Die Art, wie der Oberarzt uns im Krankenhaus herum führte, zeigte, dass auch er die Motivation hat, Dinge zu ändern und sein Bestes zu geben – auch wenn der Staat ihm das Leben als Arzt alles andere als leicht macht.

Politische Situation in der DR Kongo August 2017

Wie von Deutschland aus schon bruchstückhaft mitbekommen, hat sich die politische Situation in der DRK seit unserer letzten Reise vor 2 Jahren stark verändert:

Besonders an den Grenzen und in den öffentlichen Ämtern und Angelegenheiten ist die Stimmung sehr angespannt und geladen, wohingegen dort weiterhin mangelhafte Organisation, Demotivation und Missmut zu spüren sind. Die Situation wird dort als „schwierig“ bezeichnet, ohne aber in irgendeiner Art und Weise öffentlich Kritik, Bedenken oder Gedanken zum Fortgang zu äußern.

Wir mussten leider auch persönlich diese Entwicklung und den Umgang damit erleben:

In Kasenga haben wir gemeinsam mit der jungen Schwester und Freundin Laureine einen Spaziergang zum wirklich idyllisch gelegenen Hafen gemacht. Laureine sage mehrfach, ob wir nicht kurz davor umdrehen wollten, aber da es normalerweise nie problematisch gewesen war, gingen wir weiter. Und nach wenigen Minuten kam dann auch schon ein Angestellter des Immigrationsbüros auf uns zu und forderte uns auf, mit in das Büro zu kommen. Die Situation wurde zunehmend unangenehm: Die Art und Weise, wie wir von dem Chef des Büros angefahren wurden, dass wir uns bei unserer Ankunft in Kasenga nicht vorgestellt hätten, seine völlige Planlosigkeit, die er aber mit Machtgabe überspielte und damit zu verstehen gab, dass wir völlig von seiner Gunst abhingen – und dies alles unter massivem Alkohol- und Drogeneinfluss, der sowohl mit ihm als auch dem mit Maschinengewehr bewaffneten Polizisten vor der Tür jegliche normale Kommunikations- und Diskussionsbasis zunichte machte. Wir haben uns machtlos, ausgeliefert und ängstlich gefühlt. Ich versuchte nach außen einigermaßen cool zu bleiben und verhandelte mit dem Angestellten, der – unser großes Glück – die Don Bosco Schwestern kannte, dorthin zu gehen, um alles zu klären, was der Chef dann auch zähneknirschend und seine Großzügigkeit betonend akzeptierte. Während der gesamten Zeit lag auf den Tisch des winzigen Immigrationsbüros ein Buch über das Rechtssystem von „Zaire“, was ziemlich genau der Kompetenz und Aktualität/Entwicklung des Büros und seiner Mitarbeiter entsprach. Es ist ein wahnsinnig unangenehmes Gefühl, sich viel kompetenter, wissender und begreifender zu fühlen und aufgrund der Willkür und Machtausnutzung doch so machtlos, klein und unerwünscht zu fühlen. Der Chef des Büros verabschiedete uns mit den Worten: „Bienvenue au Congo“ – „Willkommen im Kongo“ – und es wirkte auf uns wie eine schlechte Comedy.

An dieser Stelle möchten wir betonen, dass die beschriebenen Gefühle und die Art des Umgangs im Kongo einzig und allein auf die Behörden und besonders auf die Grenzbeamten zutreffen, was allerdings besonders gravierend ist, da so gerade das Ankommen bzw. überhaupt Ankommen so schwer gemacht wird.

Auf die anderen Menschen trifft dies allerdings in keinster Weise zu: Wir werden immer überall mit einer unglaublichen Freude und Herzlichkeit empfangen und auch auf der Straße gegrüßt, die alle in anderen afrikanischen Ländern erlebte Herzlichkeit übersteigt. Vielleicht liegt ein Grund darin, wie besonders es für die Kongolesen*innen ist, so kontinuierlich besucht, unterstützt und wertgeschätzt zu werden, da sie solch eine Erfahrung aufgrund des Rufes des Landes und wegen der abschottenden, nicht ladenden Außenpolitik nur selten machen. Selbst die Bewohner*innen der angrenzenden afrikanischen Länder wie Sambia und Tansania reagieren auf den Kongo meist mit Distanz, Abneigung und Angst.

Die Passivität und Retardierung der behördlichen Prozesse scheint leider die Antwort großer Teile der kongolesischen Bevölkerung auf die politische Krise zu sein.

Der Bischof von Haut-Katanga, des Provinzteils, in dem Kasenga liegt, erzählte uns in einem langen und äußerst interessanten, offenen und differenzierten Gespräch seine große Sorge und auch Wut über die Passivität der Bevölkerung, die seiner Meinung nach größtenteils alles ertrage, egal wie sehr und schlimmer sie ausgebeutet würden und wegen weniger Dollar sogar mit Präsident Kabila kollabierten.

Auch wir konnten dies gut beobachten, wenn wir Kongolesen*innen nach ihrer Einschätzung zur politischen Situation fragten. Meistens kam bloß eine sehr ungenaue Beschreibung ohne persönliche Stellungnahme. Noch schwieriger war es, Ideen und Einschätzungen für die Zukunft zu erhalten. Von einigen wenigen, ausschließlich gut gebildeten und differenziert denkenden Kongolesen*innen konnten wir einiges erfahren und auch kritisch mit ihnen diskutieren.

Vor allem im Gespräch mit dem Bischof erfuhren wir, welch überaus wichtige Rolle die katholische Kirche und ganz besonders die Bischöfe gespielt hatten und weiterhin tun. Sie waren es, die die Übergangsregierung mit der Regierung vereinbarten. Der Bischof erzählte jedoch entmutigt, dass sie mit allen Politikern verhandelt hätten und kurz vor den Wahlen gestanden hätten, bis Joseph Kabila alle Vereinbarungen zunichtemachte und so alle Anstrengungen vergebens waren, sodass er vorerst an der Macht bleiben konnte.

Der Bischof sagte uns im großen Vertrauen, dass es aus seiner Sicht die einzige Lösung sei, dass Kabila aus der Politik verschwinde, auf welche Weise auch immer. Insgesamt hofft nun die gesamte Bevölkerung auf den Monat Dezember, da bis dahin die Übergangszeit angesetzt ist und dann hoffentlich Wahlen stattfinden werden.

Wir hoffen es sehr und vor allem hoffen wir, dass dies ohne Gewalt passieren wird. Leider ein sehr unwahrscheinlicher Ausgang…

Jahresrückblick Projekte in Kasenga im Kongo im Jahr 2016

Liebe FreundInnen und UnterstützerInnen des Kongo-Projekts!
Im Folgenden möchte ich Euch einen Jahresrückblick über die Projekte in Kasenga geben.
Zuallererst möchte ich mich ganz herzlich bei Euch für Eure großzügigen Spenden und Eure Unterstützung für das Projekt Morano in Kasenga im Kongo bedanken! Ich weiß das Vertrauen, das Ihr uns entgegen bringt, sehr zu schätzen!
Dieses Jahr hat sich im Projekt Morano in Kasenga Dank Eurer Hilfe wieder sehr viel weiter entwickelt. Das Projekt wächst, und das in vieler Hinsicht!
Voller Freude bekomme ich bei jedem meiner Anrufe bei Schwester Gio die neuen Entwicklungen erzählt, sie sprudelt immer nur so vor Enthusiasmus, so dass trotz der Entfernung jedes Mal ein Teil dieser Begeisterung auf mich überschwappt. Sie beendet das Gespräch meist mit: „Wenn Ihr das nächste Mal kommt, wird das alles fertig sein. Ihr müsst unbedingt ganz bald wieder zu uns kommen und alles anschauen!“ Tja, und das Gefühl habe ich dann auch immer, weswegen die nächste Reise für Sommer schon in Planung ist. Sofern die politische Situation einigermaßen stabil ist – mehr dazu später.
Das Farmprojekt konnte ja in diesem Jahr baulich komplett beendet werden und Tiere und Pflanzen wachsen und gedeihen! Es gibt nun eine Schwester, die ganz für das Farmprojekt zuständig ist und die Idee entwickelt hat, aus natürlichen Abbau- und Abfallprodukten Ziegenfutter herzustellen. Dieses wird jetzt selbst hergestellt und gefüttert.
In die Arbeit der Landwirtschaft und Viehzucht bezieht die Schwester die jungen Frauen und Männer des Projekts Morano mit ein: Sie bekommen dabei die Möglichkeit, Neues zu lernen und sich etwas dazu zu verdienen.
Wenn ein Projekt gut läuft, hat Schwester Gio neue Ideen und vor allem auch immer super viel Energie, dies anzupacken. Ich ziehe wirklich meinen Hut vor ihrem Engagement, ihrer Kraft und Ausdauer! Denn die Umstände sind auf dem Land nicht immer einfach, so dass viel Durchhaltevermögen und Geschick nötig sind.
Zurzeit wird ein großer Saal gebaut, der als Aula für die Schule dienen wird, aber auch als Versammlungsraum für andere Veranstaltungen. Außerdem sollen dort dann die Freizeitangebote nachmittags und am Wochenende stattfinden: Informatikkurse, Tanz, Theater,…. Der Bau des Saals ist bereits sehr fortgeschritten und wird demnächst abgeschlossen. Für die Innenausstattung des Informatikraums und eines kleinen Büros mit Kopierer, Laminiergerät usw. hat mich Schwester Gio um Hilfe gebeten. Dafür werden wir Eure Spenden verwenden!
Auch ein kleiner Kiosk, ein Friseurladen sowie eine kleine Bäckerei sind auf dem Gelände der Schwestern entstanden und versorgen die umliegenden Familien und die Schulkinder.
Soweit die Neuigkeiten… Details und mehr Fotos davon dann, wenn wir diese vor Ort anschauen können.
Leider war dieses Jahr im Kongo politisch gesehen sehr unruhig und schwierig:
Wie einige von Euch sicher mitbekommen haben, hätte im Spätjahr eigentlich die Präsidentenwahl stattfinden und Joseph Kabila nach zwei Amtszeiten abtreten sollen. Machtwechsel haben sich im Kongo leider bisher immer sehr schwierig und meist gewaltvoll abgespielt und so versucht auch Kabila trotz großer Proteste in der Bevölkerung an der Macht zu bleiben. Zunächst haben sich die gewaltvollen Konflikte in der Hauptstadt Kinshasa abgespielt, in den Tagen vor Weihnachten dann leider auch in Lubumbashi.  Meine kongolesischen FreundInnenhaben mir davon berichtet, wobei es sehr schwierig war, an detaillierte Informationen zu kommen, da ich auf meine Fragen nicht immer eine Antwort erhielt. Ich glaube, für die Menschen im Kongo ist es teilweise sehr schwierig, über die Politik in ihrem Land zu reden, da leider dahingehend immer noch keine komplette Meinungsfreiheit besteht und ihnen auch oft eine Kritik bzw. ein Urteil schwer fällt, da sie ihr Land und die politische Situation nicht anders kennen. Von uns aus ist es sicher immer viel einfacher, den Kongo mit unseren Erfahrungen hier in Europa zu vergleichen und zu kritisieren. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die eigene Wahrnehmung eine ganz andere ist, wenn man sich in der Situation befindet als wenn man von außen darauf schaut. Das ist leider gefährlich, aber eben auch eine Überlebenstaktik und eine Möglichkeit, um trotz schwieriger Umstände so viel wie möglich aus seinem Leben zu machen. So viel meine Gedanken dazu, was neben den tollen Entwicklungen in Kasenga – wo es keine Unruhen gab – leider auch an weniger positiven Entwicklungen im Kongo passiert. Zurzeit besteht jedoch die Hoffnung, dass sich politisch etwas verändert: Die katholischen Bischöfe haben sehr gekämpft und einen Vertrag ausgehandelt. Jetzt können wir nur hoffen, dass Kabila endlich die Macht abgibt und eine faire Wahl möglich macht…
Nochmals ganz herzlichen Dank für Eure Hilfe und Unterstützung für die Projekte in Kasenga! Auch wenn aus hiesiger Sicht manche Entwicklungsschritte eher klein erscheinen mögen – manche auch wiederum sehr groß – für die Menschen in Kasenga bedeuten sie alle etwas ganz Besonderes. Denn es sind Entwicklungen und Projekte, die für sie ganz persönlich sind und von denen sie direkt profitieren und mit ihnen sich weiter entwickeln können.
Vielen herzlichen Dank dafür und viele liebe Grüße,
Anna